Das Sigma USB Dock

von der Unfähigkeit, ordentlich kalibrierte Objektive auszuliefern

Veröffentlicht am: 27. Juni 2016

Kategorie: Reviews

Autor: Alex

Diese Woche war es endlich soweit. Das Sigma 50mm 1.4 ART ist zuhause eingezogen. Meine Freude war im ersten Moment natürlich riesengroß. Ernüchternd fielen dann eher die Ergebnisse des Autofokus bei den ersten Aufnahmen aus. Die Bilder waren einfach nicht richtig scharf. Der Fokus lag ständig zu weit vorne. Nicht weiter schlimm dachte ich, da man ja an der Nikon D7200 die Linsenkorrektur nutzen kann. Wurde eben so lange verstellt, bis das Bild scharf war. Kaum bewegte ich mich allerdings von meinem Standpunkt weg hatte ich das selbe Problem bei einer anderen Distanz wieder. Durch die Offenblende fällt einem das natürlich auch gleich viel stärker auf, vor allem bei kurzen Entfernungen. Das hatte jetzt auch gar nichts mit pixelpeepen zu tun, der Fokus saß einfach nicht richtig.
Überlegungen waren nun:

  • Objektiv zurückschicken und tauschen lassen? (kommt dann was Besseres nach?)
  • die komplette Ausrüstung samt Kamera zwecks Anpassung zu Sigma schicken? (Zeitkomponente)
  • das Sigma USB Dock UD-01 bestellen und selbst justieren?

Ich habe mich erstmal für das Dock entschieden. Versuch macht ja bekanntlich klug.
Nach dieser Reihenfolge bin ich vorgegangen:

  • das Sigma USB Dock für den passenden Anschluss Nikon, Canon, Sony, Sigma oder Pentax bestellen
  • die Software: Sigma Optimization Pro für Windows / Mac ( Sigma Optimization Pro ) herunterladen und installieren.
  • USB Dock mit dem Objektiv verbinden und USB Kabel am Rechner anschließen.
  • Nach Start der Software wird das Objektiv erkannt und ein Firmware Update gesucht, welches sofern ein neues gefunden wird natürlich erst mal installiert werden sollte.

Screenshot aus der Software „SIGMA Optimization Pro“ mit angeschlossenem Objektiv

Die Linsenkorrektur findet ihr unter dem Button “Individualisierung” und dann “Fokus Einstellung”. Die Bedienung der Software empfinde ich als sehr intuitiv und einfach.

Je nachdem welche Linse ihr angeschlossen habt, gibt es nun verschiedene Möglichkeiten zum Justieren. Bei einer Festbrennweite wie bei meinem 50mm habt ihr 4 Distanzen, die ihr anpassen könnt. Bei einem 18-35 sind es z. B. 16 (4 Distanzen auf 4 Brennweiten).

Fokus-Einstellung beim 50mm 1.4 ART

Die Linse nicht vom Dock trennen, solange die Änderungen aufs Objektiv geschrieben werden. Dadurch könnt ihr das Objektiv schädigen. Ihr bekommt eine Meldung auf dem Monitor, sobald die Übertragung beendet ist, sowie die grüne LED auf dem Dock hört auf zu blinken.

Ich habe mehrere Möglichkeiten der Kalibrierung versucht.

  • Einstellung über Kontrastautofokus im LiveView mit anschließendem Umschalten zum  Phasen – Autofokus über den optischen Sucher. Dann so lange korrigiert, bis sich die Skala auf dem Objektiv nicht mehr bewegt hat.
  • Den Fokus-Detektor von Traumflieger
  • Die Empfehlung von Nikon mit dem Buch und dem Lineal
  • Trial and Error aus der Hand auf irgendwelche Objekte

Im Endeffekt bin ich bei einer Mischung hängen geblieben. Einige der Methoden waren sehr zeitaufwendig, da man durch das Testen ständig das Objektiv von der Kamera ab- und an das Dock anschließen muss. Bei jedem Anschluss an das Dock wird nach neuer Firmware gesucht. Das ist mitunter sehr nervig und sollte von Sigma dringend verbessert werden.
Da ich ja meistens aus der Hand fotografiere und nur ganz selten ein Stativ benutze, habe ich die Einstellung eher locker durchgeführt. Mein Versuchsaufbau sah folgendermaßen hochprofessionell aus:

Hochpräziser professioneller Autofokus Kalibrator Testchart (bald auf Amazon erhältlich für ca. 200 Euro)

Ein Geodreieck mit Kreppband hinten an ein Lineal geklebt (zwecks 45° Winkel), daneben wurde die Sigma Dock Packung als “kontrastreiches” Fokusobjekt gestellt. Die Konstruktion dann so ausgerichtet, dass die 20cm Marke in einer Linie mit der Front der Packung war.
Für die Einstellung der ersten Fokusdistanz (0,4 m) etwa diese Entfernung mit dem Sensor von der Packung weg (Skala auf dem Objektiv ablesen hilft), ungefähr parallel mit dem mittleren Autofokuspunkt auf Blende f/1.4 (einigermaßen korrekt belichtet) auf die Schrift der Packung gezielt und abgedrückt. Danach das Bild auf dem Display auf 100% betrachtet. Wenn nun die Zahlen unter 20 scharf waren den Fokuspunkt in der Sigma Software nach Rechts gestellt, wenn die Zahlen über 20 scharf waren nach Links. Wichtig ist nach jeder Änderung auf den Button “Übertragung” zu klicken, da sonst die Änderung der Firmware nicht auf das Objektiv geschrieben werden. Das habe ich dann so oft gemacht, bis ich zufrieden war.
Das Selbe Prozedere dann bei den anderen Fokusdistanzen (0,7 / 1,5 ) genauso. Für die Einstellung auf Unendlich (∞) habe ich durch das Fenster ein weit entferntes Logo an einer Produktionshalle fotografiert.
Das war eigentlich schon der ganze Zauber. Hat am Anfang etwas mehr Zeit in Anspruch genommen als gedacht, aber wenn man einmal den Dreh raus hat ist es kinderleicht. In Zukunft werde ich nur noch Veränderungen vornehmen, wenn ich Abweichungen in einer bestimmten Distanz feststelle. Wie man an den obigen Werten meines Objektivs sieht, hat sich das Dock für mich auf jeden Fall gelohnt. Die Hardware und die Software sind einfach und unkompliziert zu bedienen. Die Qualität des Docks ist in Ordnung, da es ja nicht riesigen Belastungen ausgesetzt ist. Würde es jedem empfehlen, der Diskrepanzen bei seinen Sigma Art Objektiven auf unterschiedlichen Distanzen feststellt. Wenn der Fehlfokus über alle Abstände gleich ist, reicht eine Linsenkorrektur in der Kamera.

Auf jeden Fall möchte ich mich fürs Lesen bedanken und würde mich freuen, wenn du den Beitrag mit “Gefällt mir” markierst, ihn kommentierst oder ihn sogar teilst.

Jetzt wünsche ich dir viel Spaß beim nachbasteln und natürlich scharfe Bilder in Zukunft.

Dein Alex

0 Kommentare

Dein Kommentar

Willst du dich an der Diskussion beteiligen?
Dann mach jetzt mit!

Hey, schreib doch ein paar Sätze!

Weitere Artikel in dieser Kategorie

Der Lichtgestalter - Fotograf Landau
/von

Drucke von Zor.com

Ich hatte die Möglichkeit, einen Druck von Zor.com zu testen. Zor.com ist ein belgischer Anbieter für großformatige Drucke auf Alu Dibond, Glas und Forex.